Gemeinderatsfraktion SPD/FW

Haben Sie Anregungen oder Fragen? Dann schreiben Sie uns: info(at)spd-rheinau.de

Stellungnahme des Fraktionsvorsitzenden Horst Siehl zum Haushaltsplan 2019 der Stadt Rheinau

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren der Verwaltung,

geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

liebe Kolleginnen und Kollegen des Rates,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Presse,

 

zu allererst möchte ich mich, was in der heutigen, schnelllebigen Zeit manchmal viel zu kurz kommt, im Namen der Fraktion SPD/Freie Wähler bei:

Herrn Bgm. Michael Welsche, bei den Amtsleitern, Herrn Beck, Herrn Mündel, Herrn Bantel sowie der ganzen Verwaltung und auch bei den Kolleginnen und Kollegen der Fraktionen für die gute Zusammenarbeit im letzten Jahr bedanken.
Die Zukunft hängt immer davon ab, was wir heute tun.“

Mit diesem Zitat von Mahatma Ghandi möchte ich heute beginnen.

Denn nichts Anderes ist ein Haushaltsplan: der Weg, der Rheinau in die Zukunft weisen soll. Ohne Ziel ist jeder Weg falsch“ sagte schon Konfuzius.

Und da ist was dran.Nur wenn  wir unser Ziel, unseren Weg in Rheinau kennen, können wir die richtige Richtung einschlagen.

Verwaltung und Gemeinderat haben Ziele. Diese wurden gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und definiert. Diese gilt es jetzt zu konkretisieren und weiter zu bringen. Sowohl das ganz große Zukunftsprojekt, die „Rheinauer-Mitte“, als auch die Aufgabe das Wasserflächenkonzept voranzutreiben, wird die Gemeinde in den nächsten Jahren beschäftigen.

-2-

Diese Ziele kann man leider nicht einfach mit einem Navigationsgerät erreichen.

Ziel eingeben, Route berechnen lassen, und warten bis es heißt: Sie haben ihr Ziel erreicht.

Einige Ziele werden sich verändern, und vor allen muss die Route („finanziell“) immer wieder neu berechnet werden.

Grundvoraussetzung dafür, dass hier etwas überhaupt in Gang kommt, sind die Steuereinnahmen der Stadt. Die gute Konjunktur sollte zumindest auf dem jetzigen Niveau bleiben und nicht dramatisch einbrechen.

Eines lässt sich aber jetzt schon sicher feststellen: die hohen Ziele in Rheinau werden teuer. Ohne Kredite wird es nicht gehen. Andernfalls müssten die Ziele auf eine sehr lange Bank geschoben werden.

Die Ziele sollten es uns aber Wert sein, sie gemeinsam und mit aller Kraft voran zu bringen.

Es geht in erster Linie um ein Projekt für die kommenden Generationen.

Es soll den jungen Menschen eine gute und faire Chance bieten, um die eigenen Träume und Wünsche in Rheinau zu verwirklichen, und Rheinau zu einer zeitgemäßen und fortschrittlichen Stadt zu entwickeln.
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

soweit zu unserem Ausblick in die Zukunft Rheinaus.

Kommen wir jetzt zum Haushaltsplan 2019 und zum Finanzeitraum 2020 -2022.

Trotz Einnahmerekorde bei der Gewerbesteuer und Einkommensteuer, wird es uns in diesem Haushalt und Finanzeitraum nicht gelingen, zusätzlich mehr Rücklagen als im Zukunftsfond und für die Stadtentwicklung ausgewiesen, auf die hohe Kante zu legen.

Denn auch die Investitionen sind auf einem absoluten Rekordniveau.

Eine strikte Haushaltdisziplin, wie Bgm. Welsche beim Einbringen vom Haushalt erwähnte, können wir nicht erkennen.

Wie sonst ist zu erklären, dass Gemeinderäte öffentlich kundtun, Rheinau habe doch Geld genug.

Dies ließ sich auch bei der Baubereisung im Oktober feststellen. So manche Anmeldung wich vom Grundsatz der Notwendigkeit ab.

-3-

Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir, bei der großen Anzahl von Maßnahmen, uns in unserer Stellungnahme nur auf die für uns wichtigsten und größten Posten für unser Fraktion konzentrieren.

Thema: Erziehung und Bildung

Der Erhalt und Ausbau unserer Kindergartenstandorte, ein gutes, bezahlbares Betreuungsangebot, sehen wir als wichtigen Standortfaktor für Rheinau.

Wenn der kostenfreie Kindergarten im Land beschlossen werden soll, wäre dies eine erfreuliche Entwicklung, der wir uns nicht verschließen werden.

Mit einem mobilen Wohncontainer im Kindergarten „Schwimmbadstraße“ können wir den vermehrten Platzbedarf in Freistett für die kommenden 8 Jahre decken.

Die Diskussion in Rheinbischofsheim über einen neuen Kindergarten wegen Platzbedarf, ungünstiger Lage und noch anderen Gründen, gibt es schon lange.

In den nächsten Jahren ist es für unsere Fraktion unbedingt notwendig, dass am besten in der Rheinauer – Mitte, ein zentraler Kindergarten gebaut wird.

In unserer recht gut aufgestellten Schullandschaft kommt es immer wieder zu neuen Veränderungen durch neue Vorgaben des Kultusministeriums.

Neue Bildungspläne, neue Bildungsmethoden, neuer Raumbedarf.

Unser Rheinauer Ziel, die Real- und Werksrealschule zu einer Verbundschule zusammenzuführen, die Oberstufenreform im Gymnasium, weiterer Ausbau der Ganztagsangebote, werden uns noch viel Geld kosten. Auch wenn es dafür Zuschüsse geben wird.

10,25 Mio. sind im Finanzzeitraum eingestellt. Das größte Projekt wird der Neubau der Grundschule in Freistett. Im AFG steht die Schaffung von zusätzlicher Raumkapazität an. Im Haushalt mit einem Sperrvermerk vorhanden.

Unserer Meinung nach ist die EDV Ausstattung an unseren Schulen recht gut.

Trotzdem ist eine große Digitalisierungsinvestition sinnvoll und notwendig.

Die Rheinauer Schulen sollen nach unserem Erachten bestens gerüstet sein.

Es ist die beste Geldanlage für die Jugend und für Rheinau.

Baumaßnahmen

Zäh, sehr zäh geht es im Neuländ II in Freistett voran. Es kann doch nicht sein, dass der größte Stadtteil nun schon über 6 Jahre keine Bauplätze anbieten kann. Hier wird unsere Fraktion 2019 einen Schwerpunkt setzen. Es müssen Lösungen gefunden werden, um schnellstmöglich Bauplätze auszuweisen, auch wenn der Investor für das Seniorenhaus und die Gebäude mit den neuen verschiedenen Wohnformen nicht in die Gänge kommt.

Gut finden wir, dass der schon jahrelang diskutierte Ausbau der maroden Rheinstraße im Industriegebiet – Freistett, mit Radweg, im Haushalt 2019 steht.

-4-

Kommen werden auch die seit langem angedachten Wohnmobilstellplätze in Honau und Freistett.

Wir sind davon überzeugt, dass die Plätze gut angenommen werden und Rheinau in Sachen Freizeitangebot einen richtig guten Schritt vollzieht.

Wir hoffen, dass das Bauamt in der Lage ist, die Plätze noch bis zum Frühjahr 2019 einzurichten.

Stellenplan

Wie im Haushalt, in den Sitzungen im Jahr, und in den Ausführungen der Fraktionen ersichtlich ist, gibt es für die Verwaltung eine Menge Aufgaben, die umgesetzt werden sollen.

Viele Aufgaben sind sehr umfangreich und anspruchsvoll. Im Stellenplan schlägt die Verwaltung 8,2 neue Stellen vor.

Im Übrigen sind dies durchweg Stellen, die gut und nachvollziehbar begründet sind.

Die Umsetzung diverser Investitionsmaßnahmen, die Übernahme neuer Aufgaben sowie steigende Fallzahlen, macht eine Erhöhung der Personalkapazität notwendig.

Auch müssen wir feststellen, dass mit der Aufstockung des Stellenplans die Anforderungen an die Personalentwicklung steigen. Deshalb begrüßen wir es, dass auch in der Personalabteilung eine Aufstockung beschlossen wurde.

Auch sollen Qualifizierungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Mitarbeiterzufriedenheit soll erhöht werden. Nachwuchskräfte sind zu generieren. Dem demografischen Wandel ist mit gezielten Maßnahmen zu begegnen. Gesundheitsmanagement und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind einige Punkte um die Mitarbeiter dazu zu motivieren, bei der Stadt zu arbeiten und zu bleiben.

Wir stimmen deshalb dem Stellenplan und den Maßnahmen zu. Denn die Verwaltung muss angesichts steigender Aufgaben handlungsfähig bleiben.

Infrastruktur

Unser großes Infrastrukturvermögen bedarf einer dauerhaften Unterhaltung und erfasst auch in diesem Haushalt die meisten Positionen.

Ob Brückensanierung, Straßenunterhaltung, Hallen usw.

Neu dazugekommen ist die Barrierefreiheit der ÖPNV-Haltestellen, die in einem Planungszeitraum abgearbeitet werden sollen.

Apropos ÖPNV:

Nachdem mit dem Ruf-Auto eine Verbesserung für die Rheinauer besonders in Richtung Achern erreicht wurde, hat es Verschiebungen mit der Anbindung nach Kehl gegeben.

Linx ist jetzt besser mit Rheinau und Kehl verbunden - was wir auch erreichen wollten. Dafür ist die ehemals gute Verbindung über Diersheim nach Kehl viel schlechter geworden. Eine Auswirkung des neuen Kehler Stadtnetzes.

Weiterhin fehlt in Rheinau ein Fifty -Fifty Taxi, welches wenigstens an Wochenenden und in den Nachtstunden zur Verfügung steht.

So wie es aussieht, hat der ÖPNV-Arbeitskreis noch viel Arbeit vor sich.

Wie immer, aber auch zu Recht, dürfen wir im Haushalt unsere großzügige Vereinsförderung hervorheben.

Einen sehr großen Stellenwert messen wir der Freiwilligen Feuerwehr in Rheinau bei. Mit 623.000 Euro in diesem Haushalt, für die Ausrüstung und neue Fahrzeuge, tragen wir dem wieder Rechnung.

Mittelfristig muss nun aber auch der Wunsch der Wehren aus Freistett u. Rheinbischofsheim für den Bau eines gemeinsamen Feuerwehrgerätehauses auf die Agenda im Gemeinderat.

Sanierung Hallenbad Honau

Auch wenn noch nicht endgültig beschlossen und mit Sperrvermerk im Haushalt versehen, gibt mir die Haushaltsrede nochmals die Gelegenheit, eine Stellungnahme hierzu abzugeben.

Scheibchenweise wurden die Kosten ermittelt. In unserer Haushaltsrede 2018 hat der Kollege Manfred Kreß die Sanierung der Technik im Bad schon abgelehnt. Damals standen noch 1 Mio. im Haushalt.

Die Begründung man könne noch einen großen Zuschuss bekommen, ließ eine Beschlussfassung nicht zu. Die Ablehnung wäre zu dieser Zeit sicher gewesen.

Jetzt sind wir bei 1.3 Mio. angelangt und je höher die Kosten werden, je mehr Gemeinderäte, sind plötzlich für einen Erhalt des Honauer Bades.

Obwohl vieles noch nicht bedacht und diskutiert wurde. Wie könnte im Falle einer Schließung die Folgenutzung aussehen? Was kämen an Kosten für die Stadt zu? Kann man einzelne Kurse auch in Freistett anbieten?

Keine Frage: Das Bürgerforum Hallenbad Honau hat 7 Jahre sehr gute Arbeit geleistet. Sonst stände der Betrieb schon längst in Frage. Aber kann die Arbeit der Verein dies auch langfristig schultern? Keiner kann dies voraussehen.

Fakt ist: das Bad bleibt ein Bad der 70ziger Jahre. Mehr Besucher wird es wahrlich nicht geben, zumal Kehl und Drusenheim im Elsass große Konkurrenten werden.

7.000 Rheinauer Besucher sind bei einer Öffnungszeit von jährlich 44 Wochen ca. 1,3 Badegäste in der Stunde.

Und die können wir im Hallenbad in Freistett nicht unterbringen?

Es kostet die Steuerzahler 180.000 Euro im Jahr. 34 Jahre lang Unterhaltungskosten jährlich plus die Sanierung für 1.3 Mio. bedeuten insgesamt Kosten von 7,4 Mio. Euro.

Wir sind überzeugt: wenn wir nicht alte Zöpfe abschneiden, bleibt nichts für Neues in Rheinau. Dafür ist unser Infrastrukturvermögen mit 9 Ortsteilen, Kindergärten, Schulen, Straßen Brücken, Sporthallen u. Festhallen zu groß.

Es bleibt dabei: Die Mehrheit in unserer Fraktion ist gegen die Sanierung des Honauer Bades und würde gerne über Lösungen diskutieren, die vielleicht neue, gute Erkenntnisse bringen.

Verbunden mit der Hoffnung, dass auch andere Gemeinderäte wieder einen Blick für die neuen Aufgaben ( Rheinauer-Mitte) zum Wohle aller Rheinauer Bürgerinnen und Bürger bekommen.

Die Finanzierung des 22 Mio. großen Investitionsprogramms, wird unsere Liquidität bis auf 900.000 Euro aufbrauchen.

Zwar sind keine Kredite im Haushalt notwendig, aber für andere Aufgaben nach 2022 sind keine Ansparungen mehr da.

Der Zukunftsfond ist für das Ende der Kiespacht gedacht und sollte unserer Meinung nach nicht angetastet werden.

Die Eigenbetriebe der Stadt wären es sicherlich auch einmal wert, ausführlich betrachtet zu werden.

Kurz erwähnen will ich jedoch die anstehenden großen Baumaßnahmen.

Die Zukunft von Rheinau hängt davon ab, was wir heute beschließen.

Deshalb, und nur deshalb, stimmt unsere Fraktion mit großer Mehrheit mit „Ja“ zum Haushaltsplan 2019 und dem Finanzplan 2019 – 2022 ab.
 

Horst Siehl

Fraktionsvorsitzender SPD/Freie Wähler

 

Termine

Alle Termine öffnen.

24.07.2019, 19:00 Uhr Sommerabschluß der "Roten Socken"

12.09.2019, 20:00 Uhr Vorstandsitzung SPD Rheinau

20.11.2019, 19:30 Uhr Kreisvorstandsitzung der SPD Ortenau

Alle Termine

Wir bei Facebook

JETZT MITGLIED WERDEN!

Eintreten 

SPD Baden-Württemberg

SPD-Landeschef Andreas Stoch hat Timur Özcan zu seiner Wahl als neuer Bürgermeister in Walzbachtal herzlich gratuliert.

"Timur Özcan ist nicht nur ein weiterer erfolgreicher Sozialdemokrat in der Riege unserer jungen Bürgermeister. Der 28-jährige Verwaltungsfachmann ist damit auch der erste türkischstämmige Bürgermeister in Baden-Württemberg", sagte Stoch.

"Das ist ein tolles Zeichen dafür, dass wir Menschen unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft als Teil unserer Gesellschaft begreifen. Ich bin stolz, dass wir als SPD dieses Zeichen setzen."

Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch hat sich über den Angriff auf den Hockenheimer Oberbürgermeister Dieter Gummer tief bestürzt gezeigt.

"Das ist feiger und abscheulicher Angriff - auf unseren Hockenheimer Genossen, aber auch auf alle, die sich in Politik und Gesellschaft engagieren", sagte Stoch. "Wir Demokraten müssen uns mit aller Entschiedenheit gegen solch blinde Gewalt zur Wehr setzen. Wir dürfen eine Verrohung dessen, was unsere Gesellschaft im Kern auszeichnet, nicht zulassen. Ich wünsche Dieter Gummer von ganzem Herzen gute Genesung. Und ich hoffe, dass der Täter so schnell wie möglich zur Rechenschaft gezogen wird."

Bei einer Veranstaltung der SPD Baden-Württemberg zum "Tabuthema Prostitution" in Karlsruhe hat sich eine hochrangige Diskussionsrunde eingehend mit dem so genannten "nordischen Modell" auseinandergesetzt.

Dieses Modell, das unter anderem in Schweden und Norwegen Gesetzeslage ist, beinhaltet im Wesentlichen eine völlige Entkriminalisierung der in der Prostitution Tätigen, die Freierbestrafung sowie Ausstiegshilfen für Prostituierte und Freier. Im Gegensatz zu Deutschland ist der Verkauf von Sex hier zwar legal, allerdings wird der Kauf bestraft.

In Karlsruhe mit dabei waren unter anderem die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Dorothea Kliche-Behnke, Generalsekretär Sascha Binder, die Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier und die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Sabine Wölfle.

"Prostitution ist Ausdruck struktureller Gewalt gegen Frauen, hat negative Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft und verhindert die Gleichstellung der Geschlechter", erklärte Dorothea Kliche-Behnke. Und die ehemalige SPD-Landeschefin Leni Breymaier betonte: "Prostitution macht Frauen an Leib und Seele kaputt." Am 12. Oktober wird sich der nächste Landesparteitag der SPD in Heidenheim mit dem vorliegenden Antrag dazu befassen.

Nach einer intensiven Debatte hat der Pforzheimer Parteitag der SPD Baden-Württemberg bei nur einer Gegenstimme auch den Leitantrag zur Bildungspolitik beschlossen, der unter anderem die generelle Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 beim Gymnasium vorsieht.

Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch erklärte dazu, zwar hätten junge Leute heute mit siebzehneinhalb Jahren das Abi, aber Hochschulen und Unternehmen klagten immer mehr über deren unzureichende persönliche Entwicklung. "Wir müssen jungen Menschen die notwendige Zeit geben, dass sie sich Wissen aneignen und gleichzeitig ihre eigene Entwicklung durchmachen können. Deshalb wollen wir die Wahl zwischen G8 und G9 lassen."

Unter dem Motto "BildungsMUT - Zukunft braucht Ideen, Fortschritt unseren Mut" beinhaltet der Beschluss, die frühkindliche Bildung besser auszustatten, die Grundschule zu stärken und die Ganztagsschule auszuweiten. "Wir wollen unsere Bildungseinrichtungen zu modernen Lernorten und Zukunftswerkstätten unserer Demokratie weiterentwickeln", so Andreas Stoch.

Einstimmig haben die Delegierten auf dem Pforzheimer SPD-Parteitag einen Beschluss zur Lage der Partei gefasst.

Darin wird vor allem die Umsetzung von politischen Zielen und Inhalten eingefordert: "Wir wollen mehr und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wir wollen eine sozial gerechte und ökologische Gestaltung des Klimaschutzes. Dafür brauchen wir ein Klimaschutzgesetz, das dafür die Voraussetzungen schafft. Wir wollen eine Grundrente, die die Lebensleistung von Menschen in allen ihren Facetten honoriert. Wir wollen eine starke europäische Demokratie. Deshalb brauchen wir eine offene und vorbehaltlose Debatte über die Zukunft Europas."

Maßstab zur Fortsetzung der GroKo

Das Erreichen dieser Ziele ist für die SPD in Baden-Württemberg der Maßstab dafür, ob die Große Koalition in Berlin fortgesetzt werden kann. Unabhängig davon hat sich der Parteitag für die Erarbeitung eines neuen, sozialökologisch ausgerichteten Grundsatzprogramms der SPD ausgesprochen.

Den gesamten Beschluss gibt es hier: Beschluss

Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch hat auf dem Pforzheimer Parteitag der SPD Baden-Württemberg in einer Grundsatzrede eindringlich für mehr Mut zu Visionen und klaren Zielen der Sozialdemokratie aufgerufen.

"Wir sollten es wagen, für eine Politik einzutreten, die über die nächste Haushaltsplanung, die nächsten Wahlen, das nächste Jahrzehnt hinausblickt. Wir sollten es wagen, für unsere Ziele wieder leidenschaftlicher einzutreten und auch unbequemer zu sein. Wir sollten es wagen klar zu machen, dass uns Kompromisse allenfalls langsamer machen können, wir aber niemals von unseren Zielen abweichen", rief Andreas Stoch unter großem Beifall der 180 Delegierten. "Wir sollten mehr Sozialdemokratie wagen!"

Die gesamte Grundsatzrede gibt es hier: Rede Andreas Stoch

Unser Landesvorsitzender Andreas Stoch macht sich im Interview mit dem Mannheimer Morgen für eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 stark. Hier ein Auszug aus dem Interview:

Mannheimer Morgen: Der Vorstand plädiert für Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Warum befürworten sie das jetzt, obwohl Sie es als Kultusminister abgelehnt haben?

Stoch: Wir können nicht die Augen davor verschließen, dass junge Menschen zwar heute mit siebzehneinhalb Jahren das Abitur haben, aber Hochschulen und Unternehmen immer mehr über eine unzureichende persönliche Entwicklung der jungen Leute klagen. Wir müssen auch sehen, dass viele Eltern den bestehenden neunjährigen Weg über die Gemeinschaftsschulen oder die beruflichen Gymnasien nicht wählen und dessen Vorteile auch im allgemeinbildenden Gymnasien haben wollen. Letztlich müssen wir jungen Menschen die notwendige Zeit geben, dass sie sich Wissen aneignen und gleichzeitig ihre eigene Entwicklung durchmachen können. Deshalb wollen wir die Wahl zwischen G8 und G9 lassen. Das wird eine intensive Debatte auf dem Parteitag geben.

Mannheimer Morgen: Drohen bei der Rückkehr zu G9 nicht wieder ähnliche Reibungsverluste wie bei der Verkürzung der Gymnasialzeit?

Stoch: Die Erfahrungen in anderen Bundesländern zeigen, dass sich in der Tendenz mehr Eltern für G9 entscheiden. Es wird Anpassungsprozesse geben. Aber die sind zu bewältigen.

Zum kompletten Interview

"Dieser Beschluss setzt das um, was unsere Mitglieder und auch die Öffentlichkeit bei der Bestimmung der neuen Parteispitze erwarten: Keine Entscheidungen mehr im Hinterzimmer, sondern ein offenes und transparentes Beteiligungsverfahren. Das wird uns guttun. Eine Doppelspitze könnte die Bandbreite der SPD möglicherweise besser abbilden als bisher, allerdings müssen die beiden Führungspersonen dann auch miteinander können - sonst hilft das nicht weiter. Ich selbst hätte mir dabei auch die Einbindung von Nichtmitgliedern vorstellen können, aber unser Vorschlag fand leider keine Resonanz.

1. Solidarischer Umgang: Wir in Baden-Württemberg haben unsere Lektion gelernt. Eine Partei, die Solidarität zu ihren Grundwerten zählt, muss diese auch im Umgang miteinander leben.

2. Parteiführung auf breitem Fundament: Die zukünftige Parteiführung darf nicht im Hinterzimmer "ausgekungelt" werden. Wir fordern bei dieser Entscheidung eine Einbindung der Mitglieder. Dabei ist auch eine Vorwahl wie in anderen europäischen Ländern denkbar, an der nicht allein Parteimitglieder teilnehmen. Unabhängig davon, für welches Führungsmodell sich die SPD entscheidet, müssen die zu wählende Parteispitze und die Partei den Grundsatz der Solidarität aber auch leben.

3. Inhaltliche Klarheit: Die SPD muss Klarheit schaffen, welche Vorhaben in der Großen Koalition noch umgesetzt werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel das Klimaschutzgesetz und die Grundrente. Diese Initiativen sind originäre Anliegen der SPD.

4. Überprüfung der GroKo: Die Entscheidung, ob wir Teil der Bundesregierung bleiben, erfolgt gemäß Koalitionsvertrag durch eine offene und transparente Überprüfung (Revisionsklausel) bei einem Bundesparteitag im Dezember 2019.

5. Neues Grundsatzprogramm: Unabhängig von der Frage der Regierungsbeteiligung treten wir für die Erarbeitung eines neuen, sozialökologisch ausgerichteten Grundsatzprogramms der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ein.

Der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch erklärt zum angekündigten Rücktritt der Partei- und Fraktionsvorsitzenden Andrea Nahles:

"Dieser Rücktritt überrascht mich, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Natürlich ist er zu respektieren, denn der persönliche Druck auf Andrea Nahles ist mit jedem Tag weiter bis ins Unermessliche gestiegen. Dennoch bedaure ich diesen Schritt. Viele Probleme, in denen die SPD steckt, sind nicht erst in der Amtszeit von Andrea Nahles entstanden. Aber das Entscheidende ist doch: Wir haben in der SPD bundesweit bislang keinen Plan B - weder inhaltlich noch programmatisch noch personell.

Wir müssen uns jetzt alle zusammenreißen und in den kommenden Tagen in hoher Verantwortung gegenüber unserer Partei und unseren Mitgliedern miteinander diskutieren und miteinander handeln - und zwar mit kühlem Kopf und heißem Herzen. Es geht hier um den Fortbestand der deutschen Sozialdemokratie."