Im Internierungslager Gurs

Bericht einer Zeitzeugin

Frühjahr 1941 im Internierungslager Gurs in Südfrankreich in der Nähe der Pyrenäen. Links die siebzehnjährige Ilse Noel (geb. Adler) aus Lichtenau mit (von rechts) ihrer Mutter Paula, ihrem Bruder Heinz, ihrer Großmutter Berta Cahn und zwei Heidelbergerinnen vor ihrer Baracke. Das Foto, das heimlich aufgenommen werden mußte, stammt aus der Anfangszeit im Lager, als die meisten Insassen körperlich und seelisch noch in relativ guter Verfassung waren.

Am 22. Oktober 1940 wurden fast alle jüdischen Bürger aus Baden, dem Saarland und der Pfalz in einer Nacht- und Nebelaktion von der Gestapo, SA oder SS in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Ich wurde von Karlsruhe aus zwangsverschickt, wo ich seit 1939 in einem jüdischen Altersheim beschäftigt war. Nach drei Tagen und Nächten Fahrt mit dem Zug durch Frankreich trafen wir am Zielbahnhof ein und wurden mit Lastwagen zum einige Kilometer entfernten Lager Gurs gebracht. Dort sah ich meine Eltern, meinen jüngeren Bruder Heinz und meine über 70jährige Großmutter wieder, die von meinem Heimatort Lichtenau aus deportiert worden waren.
Das für etwa 15.000 Menschen angelegte Lager war ständig überfüllt. Wir waren bis zu 60 Personen in fensterlosen, leeren Baracken untergebracht, die etwa 25 m lang und 5 m breit waren. Etwa 25 solcher Baracken bildeten ein sogenanntes Ilot (kleine Insel), das durch Stacheldraht von anderen Ilots abgegrenzt war. Das ganze Lager, wiederum von Stacheldraht umgeben, bestand aus 13 Ilots, die entweder mit Männern oder Frauen und Kindern belegt waren und nur mit Passierscheinen verlassen werden durften. Diese Scheine wurden jedoch nur in begrenzter Zahl pro Tag ausgegeben. Strom gab es nicht. Luft und etwas Licht konnten wir nur durch Holzklappen hereinlassen, wenn es nicht gerade regnete oder zu kalt war. Schlafen mußten wir anfangs auf dem Fußboden, der mit etwas Stroh abgedeckt war. Nach einiger Zeit konnten wir etwas organisieren und hatten dann Strohsäcke oder auch ein Gestell, das notdürftig aus vier Brettern zusammengezimmert war und auf das wir unsere Strohsäcke legten. Es gab viele Ratten und Ungeziefer im Lager. Wer nachts seine Decke nicht bis über den Kopf zog, wurde gebissen.
Wenn es regnete, war das ganze Lager schnell ein einziges Schlammloch. Der Weg bei Regen durch den Schlamm zu den teilweise weit entfernten und primitiv angelegten Latrinen war besonders für ältere Leute sehr beschwerlich und nachts eine Tortur. Das Essen war spärlich, wenig nahrhaft und einförmig. Wochenlang gab es zum Beispiel nur Rüben oder Kohl. Mein Bruder konnte nicht verstehen, daß es nichts zu essen gab, auch wenn er Hunger hatte. Wasser gab es nur wenige Stunden am Tag. Bald waren unsere Körper von den Entbehrungen und Strapazen geschwächt und anfällig. Epidemien brachen aus. Es gab täglich viele Tote. Ich meldete mich freiwillig zum Dienst in den Krankenbaracken. Das brachte etwas Ablenkung und außerdem ein Stück Brot, das ich meinem jüngeren Bruder geben konnte.
Bewacht wurden wir von Franzosen, die sich aber nur oberflächlich um uns kümmerten. Manchmal kam ich mir wie ein wildes Tier vor, wenn Passanten auf der nahen Straße am Lager vorbeigingen und uns durch den Stacheldraht ansahen. Wie oft blickte ich durch den Stacheldraht auf die schneebedeckten Pyrenäen und dachte: "Wird es nochmal Freiheit für uns geben?"
22 lange Monate mußte ich in dem Lager verbringen. Hilfsorganisationen und der damalige französische Präfekt versuchten, viele Jugendliche und Kinder aus dem Lager zu retten. Mein Bruder und ich hatten das Glück, unter den wenigen zu sein. Denn nun begannen auch die Transporte nach Auschwitz. Wir mußten uns bis zum Kriegsende verstecken. Mein Bruder kam mit anderen Kindern, deren Eltern alle deportiert worden waren, in verschiedene Kinderheime. Ich kam ebenfalls in ein Kinderheim und arbeitete dort in der Küche. Jeden Tag hatten wir für über hundert Kinder zu kochen. Mein Bruder wurde von einem Verwandten adoptiert und gelangte mit acht Jahren in die USA. Er spricht heute weder Deutsch noch Französisch, so daß wir uns bei unserem Wiedersehen im Jahr 1978 nur schlecht verständigen konnten. Mein Vater und meine Mutter sowie mehrere Verwandte wurden 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie vergast worden sind. Mein älterer Bruder Karl wurde von Hamburg aus verschleppt und ist verschollen.


1941 im Internierungslager Gurs: Der Lehmboden löste sich nach Regenfälle in Schlamm auf. Häftlinge der Arbeitskolonne versuchten, den knöcheltiefen Morast von den Wegen zu schieben.

Zeitzeugin Ilse Noel im Januar 1997

in: Hartmut Stüwe, Kehl im Dritten Reich. Stadtgeschichte 1933 bis 1945, Kehl a. Rh. 1997

 

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SPD Baden-Württemberg

12.11.2018 16:40
Mitgliederbefragung läuft!.
Leni Breymaier und Lars Castellucci, die beiden Kandidierenden um den Landesvorsitz, haben sich inzwischen in vier Regionalkonferenzen und weiteren Veranstaltungen vor Ort den Fragen der Parteibasis gestellt. Noch bis zum 19. November können die über 36.000 SPD-Mitglieder im Südwesten abstimmen, wer künftig die SPD im Land anführen soll.

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Die SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier hat die heute Abend bekannt gewordenen Vorwürfe illegaler Parteienfinanzierung gegen die AfD als "ganz offensichtliche, schwere Korrumpierung" bezeichnet.

"Dieser Sumpf muss umgehend und vollständig ausgetrocknet werden", betonte Breymaier. "Schon jetzt ist klar: Trotz ihres moralinsauren Getues hat Frau Weidel das letzte Restchen an persönlicher Glaubwürdigkeit verloren. Die Strenge, die sie so gern als Monstranz vor sich herträgt, sollte sie nun selbst beherzigen und als Fraktionsvorsitzende der AfD zurücktreten - und besser ganz auf ihr Mandat verzichten."

Bei einem Treffen mit einer Elterninitiative, die sich für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium stark macht, hat SPD-Generalsekretärin Luisa Boos ihre grundsätzliche Unterstützung für diesen Vorstoß zugesagt. Die Petition der Elterninitiative für das G9 haben bereits 31.744 Personen unterzeichnet.

Boos erklärte, sie trete dafür ein, das Angebot auszubauen, in neun Jahren zum Abitur zu kommen. "Die Möglichkeit zwischen G8 und G9 wählen zu können, trägt den Wünschen von Schülern, Eltern und Lehrern Rechnung", sagte die Generalsekretärin beim Treffen in Stuttgart. "Die SPD steht zur Gemeinschaftsschule. Unser Ziel muss es sein, dass alle Kinder und Eltern zwischen G8 und G9 wählen können. Diese Wahlfreiheit muss sowohl über verschiedene Schularten - wie der Gemeinschaftsschule und den beruflichen Gymnasien - als auch am allgemeinbildenden Gymnasium gewährleistet sein."

Die SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier hat den aktuellen Vorstoß der CDU für eine Aufweichung der Arbeitsbedingungen in der Gastronomie scharf kritisiert. "Was wir brauchen, sind nicht schlechtere, sondern bessere Arbeitsbedingungen in der Branche", erklärte Breymaier. "Was die CDU mal wieder als Flexibilisierung verkauft, ist nichts anderes als eine weitere Belastung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer."

Die CDU-Fraktion hatte dieser Tage angekündigt, eine Bundesratsinitiative der grün-schwarzen Landesregierung einzubringen, um "die Arbeitszeit an betriebliche Erfordernisse anzupassen". Dabei gehe es nicht um eine Verlängerung der Gesamtarbeitszeit, sondern um "einen flexibleren Umgang mit der täglichen Höchstarbeitszeit".

SPD-Generalsekretärin Luisa Boos hat Innenminister Thomas Strobl im Fall Majd H. scharf attackiert: "Strobl ist ein Sicherheitsproblem für unser Land. Warum läuft ein polizeilich mehrfach einschlägig bekannter Mann frei herum, obwohl ein Haftbefehl vorlag und sogar Anwohner und Vermieter seit über einem Jahr Sturm gelaufen sind?"

Dazu komme, dass täglich Informationen in der BILD-Zeitung auftauchten, die nur Sicherheitsbehörden, Justiz und Innenministerium vorliegen dürften. "Der Innenminister hat seinen Laden nullkommanull im Griff. Maulwürfe in Ministerien oder Behörden sind ein Sicherheitsrisiko, das der Minister abstellen muss, indem er selbst für Aufklärung sorgt. Die Bevölkerung ist zurecht fassungslos", so Boos.

"Das ist kein hessisches Ergebnis, das ist ein Bundesergebnis. Die Parteien, die die Bundesregierung tragen, haben viel Vertrauen verspielt. In dieser Woche müssen wir intern klären, wie dieses Vertrauen zurückgewonnen werden kann und welche Konsequenzen aus den jüngsten Wahlergebnissen gezogen werden. I

Die SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier erklärt zur geplanten Spitzenkandidatur von Katarina Barley für die Europawahl: "Was für eine großartige Nachricht: Eine Europäerin für Europa! Ich kann mir für die deutsche Spitzenkandidatur der SPD keine bessere Persönlichkeit vorstellen."

"Die Genossinnen und Genossen in Bayern haben einen guten und soliden Wahlkampf geführt. Für sie und ihre Spitzenkandidatin Natascha Kohnen gab es keinen Rückenwind aus Berlin. Das Ergebnis der SPD ist bitter für uns alle.

Der politische Wecker der Republik hat heute in Bayern sehr laut geklingelt. Ich habe ihn gehört. Es wird nicht reichen, unsere Politik besser zu erklären. Wir werden eine Politik machen müssen, die sich auch selbst erklärt.

Der SPD-Landesvorstand hat am Donnerstagabend die Durchführung einer Mitgliederbefragung zum Landesvorsitz der SPD Baden-Württemberg beschlossen. Bereits zuvor hatten sich beide Bewerber um den Landesvorsitz, Leni Breymaier und Lars Castellucci, für eine solche Befragung der Parteibasis ausgesprochen. Die Mitgliederbefragung wird aus organisatorischen und zeitlichen Gründen ausschließlich per Briefwahl stattfinden. Der Zeitraum der Befragung ist vom 1. bis 19. November. Die Unterlagen gehen den Mitgliedern postalisch zu. Geplant ist, dass sich die Bewerberinnen und Bewerber zwischen dem 27. Oktober und dem 11. November in vier Regionalkonferenzen im Land vorstellen. Die genauen Termine werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Die SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier hat die von der AfD gestartete Meldeplattform für Beschwerden über Lehrkräfte als "niederträchtig und brandgefährlich" bezeichnet. "Wenn es noch eines Beleges bedurft hätte, was die AfD antreibt, dann ist es diese widerwärtige Aktion", so Breymaier.